www.slonsk.de - 03/2001

  SLONSK

Notizen - Notatki

3 - 2001

© SCHLESIEN HEUTE
sheute@poczta.onet.pl

Oberschlesische Notizen
(Auswahl 12 aus 30)

Górno¶l±skie notatki
(wybór i t³umaczenie w³asne)

Die Gestaltung des zukünftigen Wappenbildes der Woiwodschaft Oppeln bleibt weiterhin offen. Zwar wird der Piastenadler Herzogs Johannes II. von Oppeln (Jan Dobry) das Wappenschild zieren, umstritten ist aber die Darstellung desselben. Ein zweiter Entwurf, im September des letzten Jahres vom Sejmik, dem Bezirksparlament, der beim polnischen Innenministerium angesiedelten Heraldikkommission zur Gegenprüfung vorgelegt worden war, kam nun mit der Aufforderung zur Änderung zurück. Es ist bereits die zweite Änderungsaufforderung. War der erste Entwurf den Heraldiker zu proper, ist der neuerliche Entwurf wiederum zu mager ausgefallen. Der Rumpf habe diesmal zu wenig Gefieder, die Schwingen seien viel zu dünn, daß sie vom Körper abzufallen drohen. Unzufrieden sei man auch mit der Farbgestaltung. Während das Marschallamt amüsiert ist und keine weitere Änderung mehr vornehmen will, wird Woiwode Peziol die Entscheidung vom vergangenen September rückgängig machen.  
Mit deutscher Unterstützung konnte vor wenigen Tagen in Sandau bei Pleß die Renovierung der Evangelische Kirche aus dem 19. Jahrhundert vollendet werden. Die evangelische Gemeinde geht auf Protestanten aus Brandenburg zurück, die nach dem Zweiten Schlesischen Krieg durch den damaligen Grundherrn August Ludwig Graf von Pückler hier angesiedelt worden waren.  
Das Landratsamt und die Stadtverwaltung in Ratibor tragen derzeit um den Zustand des Herzogsschlosses einen heftigen Meinungsstreit aus. Laut einem Bericht der „Trybuna Slaska“ verkomme der Innenhof zunehmend zu einer Müllkippe, wo Kisten herumliegen und Autos vor sich hinrosten. Das Gebäude zerfalle immer mehr. Der Stadtpräsident forderte nun den Kreis auf, finanzielle Mittel bereitzustellen, um das Gelände vollständig zu reinigen und dringend notwendige Sicherungsarbeiten an den Ruinen durchzuführen, damit das Gelände für Touristen freigegeben werden kann. Das finanzschwache Landratsamt versucht seit einem halben Jahr - nach dem der Bezirk dem Kreis das Schloß zwangsübereignete - für das Objekt einen Interessenten zu finden, der allerdings mindestens 7,5 Millionen Mark in den Wiederaufbau investieren müßte. Eine Ausschreibung vom September des vergangenen Jahres blieb bis heute ergebnislos.  
Die Leser der Regionalausgaben der „Gazeta Wyborcza“ hatten in den vergangenen zwölf Monaten Gelegenheit, die Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts aus ihrer Region zu wählen. Während im Bezirk Kattowitz Wojciech Korfanty vor Kazimierz Kutz, Jerzy Zietek und Michal Grazynski das Rennen machte, gewann im Bezirk Oppeln Erzbischof Alfons Nossol die Leserwahl. Ihm folgten Edmund Jan Osmanczyk, Karol Musiol, Arka Bozek, Jan Cybis. Dorota Simonides belegte gar Platz sieben.  
Der DFK-Bezirksverband „Schlesien“ (Kattowitz) zählt nach eigenen Angaben derzeit 74.200 Mitglieder, wobei nicht genannt wird, ob auch alle ihre Beiträge zahlen. Die Zahl der Mitglieder schlüsselt sich nach den einzelnen Kreisverbänden wie folgt auf: Beuthen 6.850, Gleiwitz 25.800, Hindenburg 3.650, Kattowitz 5.850, Loslau 3.300, Orzesche 1.600, Rybnik 1.000, Ratibor 26.820, Tichau 3.550, Teschener Schlesien 1.400.  
Der Stadtpräsident von Ratibor, Andrzej Markowiak, ist von den Mitgliedern der Euroregion Silesia zu ihren diesjährigen Vorsitzenden gewählt worden. Er übernimmt das Amt vom Troppauer Bürgermeister Jan Mrasek. Die Euroregion wurde am 20. August 1998 gegründet. Ihr gehören derzeit 19 Gemeinden in den Kreisen Leobschütz, Ratibor, Loslau und Rybnik sowie 35 Gemeinden in Nordmähren, im tschechischen Teil des Teschener Schlesiens sowie in Westschlesien (Troppau) an. Der Kommunalverband wird von der EU bei regionalen Strukturprojekten gezielt gefördert.  
Das Schloß Tillowitz im Kreis Falkenberg kommt in den nächsten Wochen unter den Hammer: für umgerechnet 400.000 Mark sucht die Woiwodschaft Oppeln als Eigentümerin einen kapitalträchtigen Investor. Das ehemalige Anwesen im Stil der Neorenaissance gehörte einst der Grafen Frankenberg, bis sie 1944 von den Nationalsozialisten aufgrund ihrer oppositionellen Haltung enteignet wurden. Nach 1945 fand hier zunächst ein Schulinternat für Forstarbeiter eine neue Heimstätte, dann eine Abteilung des Breslauer Bezirkskinderkrankenhauses. Seit 1998 steht das Schloß leer.  
In diesem Jahr wird im Glockentrum der Jakobuskirche in Neisse eine Schatzkammer eröffnet. Der Glockenturm wird derzeit mit finanzieller Förderung durch die Erika-Simon-Stiftung zur Erhaltung schlesischer Kunstdenkmäler und den Neisser Heimatbund in Hildesheim renoviert. Im Kirchenmuseum sollen später wertvolle Sakralkunst, Bilder und Bücher aus der Jakobus- und Agneskirche ausgestellt werden. Der „Verein zur Pflege schlesischer Kunst“ bittet für die Renovierungsarbeiten um Spenden: Volksbank Bonn-Rhein-Sieg, BLZ 380 601 86, Kto. 260 186 10 14, Kennwort: Glockenturm).  

Der „Deutsche Freundschaftskreis“ im Hultschiner Ländchen organisierte am 9. Februar im einst den Eichendorffs gehörenden Schloß in Deutsch Krawarn ihren „1. DFK-Ball“.

 

Bei einer Veranstaltung in Oppeln hat der heimische Sejmabgeordnete Jerzy Szteliga in einem Referat zur polnischen Minderheitenpolitik. die bildungspolitische Situation der in Polen lebenden Ukrainer hervorgehoben. Sie besitzt nicht nur ein gut ausgebautes Netz von Mittelschulen, sondern verfüge auch über bewährte Schulbücher, sagte der mit einer Deutschen verheiratete SLD-Politiker. Als „miserabel“ bezeichnete er dagegen die Situation für die Deutschen - keine Schulen, keine Bücher.

 
Der stellvertretende Landrat des Landkreises Oppeln, Christoph Wyzdak (Deutsche Liste), hat die Bedeutung der doppelten Staatsangehörigkeit für Oberschlesien herausgestellt. Die in Deutschland dank ihrer beiden Reisepässe arbeitenden Deutschen, Oberschlesier und Polen brächten jährlich bis zu 600 Millionen Mark nach Hause. Würde die Bundesrepublik von heute auf morgen plötzlich ihre Grenzen schließen, stiege angeblich die Arbeitslosigkeit im Landkreis Oppeln von derzeit elf Prozent auf über dreißig.  
In den vergangenen zehn Jahren hat die Bundesregierung aus dem für die deutsche Minderheit in Polen angedachten Haushaltsbudget fast 225 Millionen Mark für die Modernisierung von Krankenhäusern, Kläranlagen, Kanalisationen, Gebäudesanierungen etc. ausgegeben, berichtet der deutsche Sejmabgeordnete Helmut Pazdzior. Mehr als drei Viertel dieser Investitionen wurden allein in der Woiwodschaft Oppeln getätigt. Das deutsch-oberschlesische Siedlungsgebiet in den heutigen Landkreisen Gleiwitz und Tarnowitz ging dagegen so gut wie leer aus.