Sehr geehrter Herr Fischer,
mit großem Interesse habe ich Ihren Beitrag gelesen. Den meisten Passagen
kann ich nur
zustimmen. Vom sinnlosen Geschreibe im Internet zum Thema Oberschlesien habe ich
vorläufig Abstand genommen, weil es nichts bringt.
Ich bewundere Ihren Mut und Idealismus, den Schritt gen Schlesien gewagt zu
haben.
Seit fast 20 Jahren lebe ich im Rheinland, aus OS stammend, habe hier ein
zweites
Hochschulstudium absolviert und arbeitete seit 9 Jahren als Heimleiter in einem
Heim für
junge Haftentlassene. Die “Liebe” zu Schlesien hat sich nach der
Erlangung des 40.
Lebensjahres gesteigert. Es reizt mich und meine Ehefrau der Pioniergeist, von
dem Sie
sich offensichtlich haben treiben lassen, um dort, in der alten Heimat, in der
sich - wie Sie
zutreffend schreiben - vieles für die deutsche Minderheit tut - etwas - ein
Geschäft oder
ähnliches - zu gründen. Es geht uns hier im Westen materiell gut, aber nicht
berauschend.
In Verbindung mit einer Umsiedlung nach OS stellen sich für uns folgende
Fragen, die Sie
für Ihre Familie wohl bereits beantworten konnten:
- die desolate Sicherheitssituation - man hört immer wieder von
Kleinunternehmern auch
z.B. bei Oppeln, daß sie von polnischen - vielleicht sind auch einige Schlesier
dabei -
Banditen ausgeraubt, erpresst, sogar entführt werden und die polnische Polizei
schaut
nur zu oder unternehmt nichts dagegen
- die medizinische Versorgung ist katastrofal, die Angehörigen eines Kranken
müssen
sogar die Mahlzeiten ins Krankenhaus liefern, damit der Kranke nicht verhundert.
Fahren Sie in einem Krankheitsfall dann schnell nach Görlitz ?
- die Umwelt ist extrem mit Schadstoffen belastet. In meiner Heimatstadt
Rosenberg ist
die Sterblichkeitsrate an Krebs auffallend hoch. Man hat das Unterholz in den Wäldern
bei Rosenberg gemessen und stellte eine Strahlenbelastung um das xhundertfache höher
als die zulässige Norm fest, wahrscheinlich infolge des Gaus in Tschernobyl,
auch heute
noch.
- und dann noch das Schulsystem. Sie loben den Fortschritt der deustchen
Sprache in
OS. Ohne Zweifel gibt es ihn, aber lange noch nicht mit Südtirol vergleibar. Wo
lernen
Ihre Söhne ? Ich kann nicht zulassen, daß meine 9jährige Tochter die deutsche
Sprache
verlernt - die polnische ist heutzutage kein adequater Ersatz. Auch wenn es
deustche
Schulen gibt, dann sprachlich von dem originären Niveau einer deutschen Schule
weit
entfernt. Und dies würde für “Westler” einen Rückfall in die
Steinzeit bedeuten.
- sie deuten kurz Ihre Existenzsicherungsquelle an - eine kleine Selbständigkeit.
Entweder ist Sie so klein, daß sie den oben beschriebenen Neidern mit
krimineller
Energie gar nicht erst auffällt, dann aber haben Sie weniger zum Leben, als
wenn Sie im
Westen einer geregelten abhängigen Beschäftigung nachgingen, oder ist das
Geschäft
größer, so daß es sich auch finanziell gelohnt haben muß, etwas neues
aufzubauen. Nur
mir fehlt die Geschäftsidee. Womit kann mann dort noch Geld verdienen, wenn der
Markt
in OS wohl alle Lücken geschlossen hat ?
Über einer E-Mail würde ich mich sehr freuen.
Gruß Werner Christmann (ChristmannW@01019freenet.de)