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Besondere Einträge ins Gästebuch 

Werner Christmann

Szczególne wpisy do ksion¿ki go¶ci

erstellt am 09-04-2001 um 20:32 Uhr   
Sehr geehrter Herr Fischer,

mit großem Interesse habe ich Ihren Beitrag gelesen. Den meisten Passagen kann ich nur
zustimmen. Vom sinnlosen Geschreibe im Internet zum Thema Oberschlesien habe ich
vorläufig Abstand genommen, weil es nichts bringt.
Ich bewundere Ihren Mut und Idealismus, den Schritt gen Schlesien gewagt zu haben.
Seit fast 20 Jahren lebe ich im Rheinland, aus OS stammend, habe hier ein zweites
Hochschulstudium absolviert und arbeitete seit 9 Jahren als Heimleiter in einem Heim für
junge Haftentlassene. Die “Liebe” zu Schlesien hat sich nach der Erlangung des 40.
Lebensjahres gesteigert. Es reizt mich und meine Ehefrau der Pioniergeist, von dem Sie
sich offensichtlich haben treiben lassen, um dort, in der alten Heimat, in der sich - wie Sie
zutreffend schreiben - vieles für die deutsche Minderheit tut - etwas - ein Geschäft oder
ähnliches - zu gründen. Es geht uns hier im Westen materiell gut, aber nicht
berauschend.

In Verbindung mit einer Umsiedlung nach OS stellen sich für uns folgende Fragen, die Sie
für Ihre Familie wohl bereits beantworten konnten:

- die desolate Sicherheitssituation - man hört immer wieder von Kleinunternehmern auch
z.B. bei Oppeln, daß sie von polnischen - vielleicht sind auch einige Schlesier dabei -
Banditen ausgeraubt, erpresst, sogar entführt werden und die polnische Polizei schaut
nur zu oder unternehmt nichts dagegen

- die medizinische Versorgung ist katastrofal, die Angehörigen eines Kranken müssen
sogar die Mahlzeiten ins Krankenhaus liefern, damit der Kranke nicht verhundert.
Fahren Sie in einem Krankheitsfall dann schnell nach Görlitz ?

- die Umwelt ist extrem mit Schadstoffen belastet. In meiner Heimatstadt Rosenberg ist
die Sterblichkeitsrate an Krebs auffallend hoch. Man hat das Unterholz in den Wäldern
bei Rosenberg gemessen und stellte eine Strahlenbelastung um das xhundertfache höher
als die zulässige Norm fest, wahrscheinlich infolge des Gaus in Tschernobyl, auch heute
noch.

- und dann noch das Schulsystem. Sie loben den Fortschritt der deustchen Sprache in
OS. Ohne Zweifel gibt es ihn, aber lange noch nicht mit Südtirol vergleibar. Wo lernen
Ihre Söhne ? Ich kann nicht zulassen, daß meine 9jährige Tochter die deutsche Sprache
verlernt - die polnische ist heutzutage kein adequater Ersatz. Auch wenn es deustche
Schulen gibt, dann sprachlich von dem originären Niveau einer deutschen Schule weit
entfernt. Und dies würde für “Westler” einen Rückfall in die Steinzeit bedeuten.

- sie deuten kurz Ihre Existenzsicherungsquelle an - eine kleine Selbständigkeit.
Entweder ist Sie so klein, daß sie den oben beschriebenen Neidern mit krimineller
Energie gar nicht erst auffällt, dann aber haben Sie weniger zum Leben, als wenn Sie im
Westen einer geregelten abhängigen Beschäftigung nachgingen, oder ist das Geschäft
größer, so daß es sich auch finanziell gelohnt haben muß, etwas neues aufzubauen. Nur
mir fehlt die Geschäftsidee. Womit kann mann dort noch Geld verdienen, wenn der Markt
in OS wohl alle Lücken geschlossen hat ?

Über einer E-Mail würde ich mich sehr freuen.
Gruß Werner Christmann (ChristmannW@01019freenet.de)